5 Wege in Stressphasen handlungsfähig zu bleiben – wirksame Strategien aus dem Cockpit

By Carola Lübbenjans | Spitzenleistung unter Druck

Mrz 29
Umgang-mit-Stress
Umgang-mit-Stress

Bildquelle: Pixabay

Sind Sie in der Lage professionell zu handeln, wenn Sie unter Stress stehen?

Führungskräfte tragen die Gesamtverantwortung für Ihre Abteilung und müssen hohen Anforderungen standhalten. Ergebnisse liefern, Terminfristen einhalten, Konflikte schlichten, Mitarbeiter motivieren, Kritik einstecken, fremdbestimmte Vorgaben erfüllen. Das ist Alltag! Treten unerwartete Probleme auf, entsteht schnell ein Stresslevel, der professionelles Handeln fast unmöglich macht.

In diesem Artikel werden 5 wirksame Wege beschrieben, in turbulenten Phasen handlungsfähig zu bleiben und langfristig professionell zu agieren. Der Nebeneffekt:

Sie …

  • sind und bleiben als Vorbild authentisch
  • verteilen Belastungsspitzen
  • entlasten sich und Ihre Mitarbeiter
  • steuern den Informationsfluss gezielt
  • analysieren den Prozess und gewinnen noch mehr Bewältigungsstrategien für die Zukunft

Im Cockpit haben sich diese Strategien stets bewährt. Ziehen Sie wertvollen Nutzen für sich und Ihren Job.

1. Setzen Sie klare Grenzen

Sie sehen sich als gute Führungskraft? Stehen voll und ganz hinter Ihren Mitarbeitern und achten darauf, dass die Arbeitsbelastungen soweit möglich – gleichmäßig verteilt werden? Großartig. Und wie steht um Sie?

Wo liegt eigentlich Ihre persönliche Belastungsgrenze? Denken Sie bitte darüber nach – in Ruhe und gründlich. Legen Sie für sich fest, was Sie bereit sind zu leisten und ab wann Ihre Grenze erreicht ist. Was ist Ihnen dabei wirklich wichtig? Fragen Sie sich auch, warum Sie bereit sind, bis zu der festegelegten Grenze zu gehen. Wenn Sie voller Überzeugung sagen können, „ja – so ist es“, dann haben Sie Ihre Grenzen gefunden. Besser noch: Sie haben diese klar definiert.

Jetzt sind Sie in der Lage, frühzeitig nach außen zu kommunizieren, wo Ihre Grenze verläuft. Auch das Delegieren von Aufgaben fällt Ihnen leichter. Sie können diese Grenze schützen und somit präventiv verhindern, dass sie permanent überschritten wird. Niemand hat etwas davon, wenn Sie in ein Burn-out laufen – Ihr Chef nicht, Ihre Mitarbeiter nicht und Ihre Familie hat auch andere Vorstellungen. Ganz zu schweigen von Ihnen selbst.

Für eine Cockpitcrew gilt: Ist die eigene Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, wird das dem anderen Crewmitglied umgehend kommuniziert. Dabei ist eine Erklärung oder gar Eingehen bis ins Detail gar nicht notwendig. Es geht um die Sicherheit an Board und darum, dass die Arbeitsbelastung rechtzeitig aufgefangen werden kann. Dazu müssen Piloten ihren eigenen Zustand gut reflektieren und in der Lage sein ihre Grenzen realistisch einzuschätzen. Allen Piloten ist diese interne Regelung bekannt und niemand erhält deshalb einen negativen „Stempel“.

Um eine solche Arbeitsatmosphäre zu schaffen, bedarf es mehr als das bloße Ankündigen: „Wir sagen uns jetzt immer – wenn unsere Grenzen erreicht sind“. Sie als Führungskraft müssen es vorleben und darauf achten, dass verantwortungsbewusst damit umgegangen wird.

2. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter untereinander systematisch kooperieren

 Ein gut funktionierendes Cockpitteam zeichnet sich dadurch aus, dass es selbst in hohen Belastungsphasen effektiv und effizient zusammenarbeitet. Ohne klar vorgegebene Zuständigkeiten und Arbeitsabläufe würden Stresssituationen schnell im Chaos enden. Das bedeutet, dass im Vorfeld klare Verantwortlichkeiten, Aufgabenbereiche und Zuständigkeiten geklärt wurden.

Überprüfen Sie, inwieweit das auf Ihre Abteilung zutrifft. Sind für hohe Belastungsphasen alle Abläufe klar geregelt? Jeder weiß, was von ihm erwartet wird, wem er zuarbeitet, welche Verantwortung er übernimmt? Super, denn nur so können Sie gewährleisten, dass Ihre Mitarbeiter in stressbelasteten Arbeitsphasen reibungslos und kooperativ zusammenarbeiten. Sie als Führungskraft konzentrieren sich auf Ihre Hauptaufgabe: Sie sorgen dafür, dass systematisch und effektiv zusammengearbeitet wird.

Um diese Aufgabe überhaupt wahrnehmen zu können, müssen Sie, soweit es möglich ist, von allen anderen Aufgaben frei sein. Und das bringt uns nahtlos zu Punkt 3.

3. Delegieren Sie Verantwortung

In einer abnormalen Situation im Cockpit (z.B. Ausfall eines Systems), wird zuallererst geklärt, wer das Flugzeug weiterfliegt und im Umkehrschluss, wer sich um das Problem kümmert. In einer solchen Situation werden grundsätzlich alle zur Verfügung stehenden Ressourcen ausgeschöpft. Aufgaben zu delegieren und Prioritäten zu setzen ist nicht nur selbstverständlich, sondern ein absoluter Sicherheitsfaktor.

Gerade unter Stress neigen Menschen dazu, zum „Einzelkämpfer“ zu werden. Die vorhandenen Ressourcen (z.B. Mitarbeiter, Informationsquellen, Hilfe aus anderen Abteilungen) werden nicht ausreichend eingesetzt. Gerade Führungskräfte mit hohen Leistungsansprüchen an sich selbst behalten gern die eigene Kontrolle über ein erfolgreiches Ergebnis.

Wer so arbeitet, türmt sich einen stattlichen Berg an Arbeit auf und setzt sich dadurch zusätzlich unter Druck. Der Stresslevel steigt. Viele Aufgaben bleiben halb fertig liegen. Und mit unerledigten Aufgaben können wir nur schlecht umgehen, denn der Zeigarnik-Effekt sorgt dafür, dass wir gedanklich damit nicht abschließen können. 1927 fand die russische Psychologin Bljuma Wulfowna Seigarnik heraus, dass unerledigte Aufgaben so lange im Gedächtnis bleiben, bis die Aufgabe erledigt wurde. Kann die Aufgabe nicht zu Ende gebracht werden, erzeugt das Spannung in uns. Und diese Spannung werden wir nicht so schnell wieder los.

Ein weiterer unerfreulicher Nebeneffekt ist die abnehmende Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter. Denn Sie vertrauen ihnen offensichtlich nicht, wenn Sie ihnen nur die weniger brisanten Aufgaben überlassen. Keine gute Arbeitsatmosphäre.

Trauen Sie sich auch wichtige Aufgaben an Ihre Mitarbeiter abzugeben und vereinbaren Sie verbindliche Statusmeldungen. So zeigen Sie auf wertschätzende Weise, dass Sie Ihren Mitarbeitern diese Verantwortung zutrauen. Und bleiben gleichzeitig auf dem Laufenden.

4. Nutzen Sie kurze, effiziente Briefings

In der Fliegerei werden zu jeder Phase eines Flugablaufes kurze Vorbesprechungen geführt – sogenannte Briefings. Dabei ist klar vorgegeben, welche Kriterien besprochen werden müssen. Piloten halten diese Besprechungen so effizient wie möglich, um die wichtigsten Informationen auszutauschen, mentale Bilder abzugleichen und Missverständnisse zu klären. Briefings sind wirkungsvolle Instrumente, um sich auf den gleichen Informationsstand zu bringen, ohne dabei Zeit zu verschwenden. Der Unterschied zu einem Meeting liegt darin, dass es sich auf die wesentlichen Kerninformationen zur anstehenden Arbeitsphase beschränkt, somit kürzer ist und nur an den Stellen zum Einsatz kommt, an denen es wirklich notwendig ist.

Unter Stress helfen diese kurzen Besprechungen, dass die wichtigsten „Baustellen“ angesprochen und abgeglichen werden. Zudem besteht jetzt die Chance, auf Fehler aufmerksam zu werden. Es strukturiert die Arbeitsschritte und ermöglicht, dass alle wieder an einem Strang ziehen. Und es lohnt sich: Stress wird reduziert und die Handlungsfähigkeit aufrechterhalten.

5. Entdecken Sie die Wirkung eines Debriefings

Erst wenn die belastende Stressphase vorüber und das Flugzeug sicher am Boden gelandet ist, nimmt sich die Cockpitcrew Zeit für ein Debriefing – eine Nachbesprechung. Auch hier sind die wichtigsten Kriterien bereits vorgegeben. In einer entspannteren Atmosphäre können nun alle Abläufe nachbesprochen werden. Was lief gut? Wo stockte es? Wie können wir beim nächsten Mal besser vorgehen?

Die Nachbesprechung nimmt einen wichtigen Stellenwert für zukünftige Projekte ein. Hier können die Arbeitsabläufe feiner abgestimmt, Fehlerquellen aufgedeckt und Maßnahmen zur Prozessoptimierung entwickelt werden. Dieser Zeiteinsatz rentiert sich garantiert in der Zukunft!

 Fazit

 In Stresssituationen gehen Einzelkämpfer häufig unter. Anstatt sich die komplette Verantwortung allein aufzubürden und alle Aufgaben perfekt selbst zu erledigen, gilt es Aufgaben zu delegieren, Ressourcen zu erkennen und einzusetzen.

Nutzen Sie diese 5 wirkungsvollen Strategien aus dem Cockpit für sich und Ihre Abteilung:

  1. Setzen Sie sich eigene Grenzen
  2. Delegieren Sie Verantwortung
  3. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter untereinander systematisch kooperieren
  4. Nutzen Sie kurze, effiziente Briefings
  5. Entdecken Sie die Wirkung eines Debriefings

 

Wenn Sie diese 5 Strategien umsetzen, werden Sie Ihren Stresslevel deutlich reduzieren und somit handlungsfähig bleiben. Das Smarte daran:

    • Sie führen Ihre Mitarbeiter authentisch – denn Sie arbeiten konsequent innerhalb Ihrer Grenzen
    • Sie begegnen Ihren Mitarbeitern mit Wertschätzung– denn Sie trauen ihnen mehr zu
    • Sie verringern Koordinationsverluste – denn Sie koordinieren Ihre Mitarbeiter und sorgen für einen effektiven Informationsaustausch

Legen Sie los. Es lohnt sich.

Welche dieser Strategien setzen Sie bereits erfolgreich ein? Hinterlassen Sie einen Kommentar.

 

Comments are closed