Stressmanagement aus dem Cockpit – So entschleunigen Sie Ihre Stressphasen

Stressmanagament

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Sicherheit ist das oberste Gebot der Fliegerei und somit steht das Thema Stressmanagement an der Tagesordnung für Piloten. Denn in Notsituationen ist es für die Cockpitcrew lebenswichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Piloten wissen, dass sie gerade in Stressphasen fatale Fehler produzieren können.

Ihre Leistungsfähigkeit nimmt in solchen Situationen automatisch ab, weil der Stresslevel rapide ansteigt. Sie müssen also in der Lage sein, diesen Stresspegel zu reduzieren, um Spitzenleistung, die eine solche Notlage erfordert, überhaupt erbringen zu können.

Und wie machen Sie das?

Sie entschleunigen die Situation.

Was bedeutet Entschleunigung für Ihr Stressmanagement?

Wenn wir unter Stress stehen, dann verändert sich unsere Wahrnehmung. Die Zeit vergeht viel zu schnell und wir haben das Gefühl nicht hinterherzukommen. Das verführt uns dazu sofort loslegen zu wollen – ohne Plan. Denn der braucht Zeit und die rinnt uns gerade davon.

Die Gefahr beim „einfach loslegen“ liegt in der erhöhten Fehlerrate. Fehler, die wiederum aufgedeckt und korrigiert werden müssen. Das kostet Zeit, und zwar mehr, als uns lieb ist.

Der Schlüssel des Ganzen ist also, die gefühlte Geschwindigkeit zu drosseln, damit Sie wieder ruhiger atmen können und dann besonnen vorgehen.

Und das gilt für alle Stressphasen im Arbeitsalltag. Denn im Büro kosten Fehler zwar nicht Ihr Leben, aber wertvolle Zeit, Energie und letztlich Geschäft. Deshalb lohnt sich ein Blick ins Cockpit, um daraus wirkungsvolle Strategien für Ihr Stressmanagement abzuleiten.

Wie Piloten Stressphasen einfach und schnell entschleunigen

Absolute Ungestörtheit – Volle Konzentration

Zu allererst sorgen Piloten dafür, dass Sie mit voller Konzentration arbeiten können. Ohne Störungen, Unterbrechungen, Ablenkungen. Nichts treibt den Stresslevel noch mehr in die Höhe als ein lauter Geräuschpegel und eine ungefilterte Informationsflut.

Das alles stellen Piloten ab. Sie geben entsprechende Anweisungen an die Kabinencrew und den Lotsen und dann herrscht volle Konzentration.

Erst jetzt haben sie eine Arbeitsatmosphäre geschaffen, die es ihnen überhaupt erlaubt runterzukommen – ihren Stresslevel zu senken.

Was bedeutet das für Sie?

Ziehen Sie sich mit den Menschen zurück, die unmittelbar an der Stress auslösenden Situation beteiligt sind. Sorgen Sie dafür, dass Sie nicht unterbrochen werden. Weder durch Handys, Mitarbeiteranfragen oder andere Störquellen.

Jetzt haben Sie Ruhe. Ihr Gehirn wird nicht abgelenkt und Sie erlauben Ihrem Organismus, runterzufahren.

Meine Empfehlung

Ritualisieren Sie das. Führen Sie (mindestens) eine ungestörte Stunde in Ihren Arbeitstag ein. Somit entschleunigen Sie für sich den Tag.

In dieser einen Stunde erledigen Sie wesentlich mehr Aufgaben, weil Sie fokussiert arbeiten können. Viele lose Enden lösen sich jetzt in Wohlgefallen auf. Das entspannt Sie, weil Ihr Kopf „aufgeräumt“ wird und Sie freie Kapazitäten schaffen.

Passen unsere Vorstellungen zur Realität?

Der erste Punkt, der geklärt wird, ist der Faktor Zeit. Denn der ist es, der den meisten Druck und somit Geschwindigkeit in unseren Köpfen auslöst. Sie Fragen sich:

  • Wie viel haben wir de facto zur Verfügung?

Wenn die Zeit sehr knapp ist, dann überlegen Sie, welcher erste Schritt den größten Zeitdruck auflösen könnte.

Damit verbunden ist die Frage:

  • Wie relevant ist das Problem – welches diese Geschwindigkeit auslöst – genau jetzt, in dieser Arbeitsphase?

Und dann entschleunigen Sie diesen Punkt, indem Sie sich Zeit verschaffen.

Erst wenn dieser Punkt für alle geklärt ist, dann analysieren Sie die Situation weiter.

Dabei gelten folgende Spielregeln

Sie dürfen nur das laut aussprechen, was Sie sehen, vorliegen haben, 100%ig wissen. Keine Interpretationen, keinen Vermutungen, keine Bewertung. Nur reine Fakten – mehr nicht.

Bei Unsicherheiten oder Zweifel nutzen Piloten folgende Technik: Sie fragen zuerst Ihr gegenüber und gestalten die Fragestellung offen:

  • Wie viel Zeit brauchen wir, um …. zu erledigen?

Diese Fragestellung lässt dem anderen Raum zu überlegen. Eine enge Fragestellung wäre:

  • Ich denke, dazu benötigen wir 40 Minuten. Was denkst Du?

In dieser engen Fragestellung verbirgt sich ein Ankereffekt. Mit der Vorgabe „40 Minuten“ setzen Sie einen Anker, von dem Ihr Gegenüber sich nur wenig entfernt. Sie haben die Antwort beeinflusst und nehmen sich damit eine der wichtigsten Möglichkeiten Fehler frühzeitig zu entlarven.

Der Entschleunigungseffekt liegt darin, dass alle ein einheitliches Bild von der Situation entwickeln und nun lösungsorientiert draufschauen können. Zweifel und Unsicherheiten werden geklärt und ein gemeinsamer Handlungsplan erstellt. Und wer weiß, was er wann zu erledigen hat – seine Einwände anbringen und aufklären konnte, dem wird ganz viel Druck genommen.

Wer kann uns wie unterstützen?

Im Cockpit wird als nächstes geschaut, welche Ressourcen zu Verfügung stehen, um:

  • Infos zu erhalten
  • Unterstützung zu erhalten
  • Zweifel zu beheben
  • Sich den Rücken frei zu halten
  • Entlastung zu schaffen

Mit der notwenigen Unterstützung wird wiederum ein ganzes Stück Geschwindigkeit aus der Situation herausgenommen.

Welche Besonderheiten müssen wir in kritischen Phasen im Blick behalten?

Piloten verwenden kurze Minibesprechungen (Briefings). Diese kommen immer dann zum Einsatz, wenn es um kritische Flugphasen geht oder wenn etwas anders abläuft, als in der täglichen Routine.

Briefings enthalten ausschließlich relevante Infos für den nächsten Arbeitsabschnitt mit allen Besonderheiten, Abweichungen und Kennzahlen, die im Blick behalten werden müssen.

Die Kommunikation innerhalb eines Briefings verzichtet auf alle Weichmacher klarer Bewertungen, Ansagen oder Verteilung der Verantwortlichkeiten. Alles, was einen Interpretationsspielraum aufmacht, wird weggelassen.

Der Gewinn des Briefings: Alle sind informiert. Fehler werden aufgedeckt. Alle wissen, wer wofür Verantwortung trägt. Die Handlungsschritte sind klar und eindeutig.

Der Entschleunigungseffekt liegt in dem Handlungsplan, der für die nächste Arbeitsphase abgestimmt wird. Jedem ist klar, was zu tun ist, bis wann und in welcher Qualität. Mit einer solchen Klarheit wird der Anteil des „hausgemachten Stresserlebens“ gekappt. Und die Geschwindigkeit deutlich rausgenommen.

 

Fazit

Diese Art der Organisation, wie Piloten sie nutzen, entschleunigt enorm. Hier noch einmal im Überblick die 4 Schritte, die sich auch in Ihrem Arbeitsalltag bewähren werden:

Für ungestörtes Arbeiten sorgen

 

Die eigene Vorstellung mit der Realität abgleichen

 

Ausreichend Unterstützung anfordern

 

Besonderheiten in Briefings ansprechen

Wenn jeder merkt, dass die turbulente Situation wieder unter Kontrolle ist, kann jeder auch wieder aufatmen und besonnener vorgehen. Es gibt keine Fragezeichen und wenn doch, werden diese auf kürzestem Weg für alle geklärt.

Wenn Ihnen in turbulenten Arbeitsphasen die Geschwindigkeit um die Ohren fliegt, dann entschleunigen Sie aktiv mit diesen 4 Schritten. Das reduziert Ihren Stress und macht Platz für eine Leistung, die sich sehen lässt.

 

Carola Lübbenjans

Hallo – ich heiße Carola Lübbenjans und bin Diplom Psychologin.

Als Coach und Trainerin bestärke ich Führungskräfte und Ihre Teams, gelassen und souverän mit hohem Druck umzugehen.

In meinem Blog gebe ich Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie leistungsstark und standfest bleiben, wenn es turbulent wird. Viel Spaß beim Lesen!
Posted in Spitzenleistung unter Druck, Standfeste Haltung im Stress.

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