5 Gründe für Führungskräfte einen kühlen Kopf zu bewahren

By Carola Lübbenjans | Spitzenleistung unter Druck

Mrz 07
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Können Sie einen kühlen Kopf bewahren, wenn es hoch hergeht?

Sie arbeiten und plötzlich wird es turbulent, weil zu viele Dinge nahezu gleichzeitig bedient werden müssen. Zunächst sind Sie im Fluss und hängen sich voll rein. Leider entstehen immer weitere Baustellen und schon bald wissen Sie nicht mehr, wo Ihnen der Kopf steht. Sie fühlen sich wie ein Feuerwehmann, der bei einem Flächenbrand möglichst überall gleichzeitig löschen soll.

Was tun Sie in einem solchen Moment? Werden Sie hektisch. Laut. Aggressiv?

Mal ganz ehrlich, das kenne ich nicht nur aus dem beruflichen, sondern auch aus dem privaten Bereich. Es gibt einfach so Phasen im Leben, wo vieles zueinander kommt und trotz aller Bemühungen es einfach zu viel wird.

In einer solchen Phase einen kühlen Kopf zu bewahren ist gar nicht so einfach. Aber darum soll es heute nicht gehen.  Heute will ich darüber schreiben, warum es überhaupt wichtig ist, einen kühlen Kopf zu bewahren.

 

5 Gründe, warum es sich lohnt, einen kühlen Kopf zu bewahren

1. Unsere Denkweise verändert sich

Wenn unser Stresslevel in die Höhe schnellt und es einen kritischen Punkt überschreitet, dann schaltet unser Gehirn in einen anderen Modus. Das rationale Denken wird eingeschränkt und ein älterer Teil – der Gehirnstamm / das limbische System übernimmt. Das limbische System ist für Emotionen verantwortlich. Und das hat verheerende Folgen auf unsere Fähigkeit flexible Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln und zu entscheiden.

Was bedeutet das?

Zunächst werden wir kreativer, bis wir über den optimalen Punkt hinausschießen und die Wahrnehmung eingeschränkt wird. Jetzt wird es schwieriger mit Intelligenz und Kreativität an die Herausforderungen heranzugehen. Dazu kommen Konzentrationsstörungen, die es uns erschweren Probleme aktiv zu lösen.

Wir sind dann nur noch in der Lage, auf erprobte Handlungsstrategien zurückzugreifen, die erfolgreich waren. Alles das, was wir als Routine abgespeichert haben, ist gut verfügbar. Anderes eben nicht.

Das bedeutet für Sie als Führungskraft, dass Sie genau auf das Zurückgreifen, was auch in anderen Situationen gelungen ist. Super Idee – leider passt das nicht immer zur vorliegenden Situation und dann kann der Schuss nach hinten losgehen.

Wenn Sie komplexe Entscheidungen treffen müssen, dann reduziert sich die Komplexität auf einfache Ja/Nein-Entscheidungen, um das überhaupt bewerkstelligen zu können.

Wir bekommen einen Tunnelblick und können nur noch schwer die Lage überblicken. Informationen werden viel stärker ausgefiltert, sodass wir Situationsveränderungen, die außerhalb des Fokus liegen, weniger wahrnehmen.

Bleibt der Stresslevel konstant sehr hoch, dann folgt automatisch der „Dienst nach Vorschrift“, um die Gesamtheit der Anforderungen überhaupt noch bewältigen zu können.

Das Erbe unsere Vorfahren

Das alles ist ein Relikt unserer Vorfahren. Aus einer Zeit, in der es noch um das nackte Überleben ging.

Stellen Sie sich die Situation einmal bildlich vor. Da steht ein Bär vor Ihnen. Was brauchen Sie jetzt: Energie, um weglaufen oder kämpfen zu können. Einen fokussierten Blick auf die Gefahrenquelle (Tunnelblick) und genügend Energie, damit Ihr Körper innerhalb kürzester Zeit leistungsbereit ist. Das war‘s.

Unser Denken wird eingeschränkt, weil unser Gehirn umschaltet auf „Überleben“. Jetzt ist es nicht mehr wichtig, lange abzuwägen und neue Ideen zu entwickeln. Jetzt kommt es nur noch darauf an, sich dem Feind zu stellen oder abzuhauen. Körperliche Energie muss nun freigesetzt werden.

Im heutigen Arbeitsalltag sehen die „Gefahrenquellen“ zwar deutlich anders aus, aber auch hier kann der Stresslevel so zunehmen, dass Ihr Gehirn eben genau wie vor Hunderten von Jahren reagiert. Umschalten aus „Kampf oder Flucht“. Und das geschieht zu Lasten unserer Kreativität. Fehlentscheidungen mit verheerenden Konsequenzen können daraus resultieren.

Und es gibt noch eine dritte Variante: „Sich-tot-stellen“.  Im heutigen Alltag übersetzt sich dieses Verhalten in ein Erstarren – eine absolute Handlungsunfähigkeit.

Es lohnt sich also, den eigenen Stresslevel im Blick zu behalten und in im richtigen Moment runter zu regulieren, um wieder an die optimale Leistungsfähigkeit heranzukommen.

 

2. Emotionen übernehmen die Kontrolle

Es gibt 3 Emotionen, die unter Stress überhand gewinnen können: Furcht, Angst & Wut.

Die Folge davon sind vermehrte Selbstvorwürfe, oder Aggression.

Aggressivität oder Wut mobilisieren Energie, um sich dem vermeintlichen Feind zu stellen. Hinzukommen Abwehrmechanismen, die dafür sorgen, dass die gefährliche Situation abgewertet wird.

Furcht und Angst sollen zum Weglaufen oder „Sich-tot-stellen“ (Ohnmacht) motivieren. Resignation und Handlungsunfähigkeit sind hier die Folge.

Wer unter Dauerstress steht, kann vermehrt Ängste entwickeln, die dann auch auf andere Lebensbereiche übergreifen.

Das, was uns in intensiven Stressphasen am meisten Schwierigkeiten bereitet, ist der gefühlte Kontrollverlust. Und wer will nicht gern, die Kontrolle behalten?

Dieser Punkt bringt uns zu Grund 3.

 

3. Wir handeln unbedacht

Weil wir die Kontrolle zurückerlangen wollen, beginnen wir nahezu automatisch irgendwie zu handeln.

Pilotenschüler greifen dann beherzt zum OM-B (Operations Manual Teil B). Darin finden Sie sämtliche Verfahrensweisen als Anleitung, die für viele technische Probleme im Cockpit in diesem Buch zusammengetragen wurden.

Eigentlich eine gute Idee, aber so ganz ohne Plan, wissen die Schüler dann nicht genau, welches Verfahren passt. Die Analyse der Ausgangssituation wurde komplett weggelassen. Das kann im Cockpit tödlich enden. Deshalb werden sie trainiert.

Mit einem kühlen Kopf würde zunächst die Analyse vor der Handlung stehen. Deshalb ist es so wichtig, sich zunächst wieder Zugang zum rationalen Denken zu verschaffen.

 

 4. Klares Kommunizieren fällt schwerer

Unser rationales Denken ist eingeschränkt. Da das klare Kommunizieren damit zusammenhängt, fällt es uns ebenfalls schwerer – präzise Aussagen zu formulieren.

Vielleicht kennen Sie Situationen, in den Sie klare Ansagen im Kopf haben, es Ihnen aber immens schwerfällt, diese auch so klar auszusprechen. Das Problem, was dann im Miteinander entsteht, sind Missverständnisse. Und diese aufzuklären kostet Zeit und treibt den Stresslevel weiter in die Höhe.

Auch hier gilt, ein kühler Kopf ist sinnvoll, um klar und präzise das zu besprechen, was für die Auflösung der belastenden Situation wichtig ist.

 

5. Die Fehlerrate steigt

Und zu guter Letzt läuft alles auf das Thema Fehler hinaus.

Wenn ich nicht mehr rational, flexibel und kreativ denken kann, Konzentrationsschwierigkeiten habe und die Emotionen hochkochen, dann steigt eine Fehlerrate immens. Die Konsequenzen können unterschiedlich schwerwiegend sein. In jedem Fall wir auch hier Zeit benötigt, um diese Fehler überhaupt wahrzunehmen und sie zu korrigieren.

 

Fazit

Wenn wir unter hohem Stress stehen, dann schaltet unser Gehirn von rational auf emotional um. Unsere mentale Leistungsfähigkeit reduziert sich: Wir nehmen nur noch selektiv wahr (Tunnelblick), unsere Denkweise wird starrer und wir urteilen deutlich anders.

Wer aber besonnen handeln, weniger Fehler machen und qualitativ gute Entscheidungen treffen möchte, braucht seine volle Leistungsfähigkeit. Und dass meine ich mit einem „kühlen Kopf“.

 

5 gute Gründe, warum es sich lohnt, einen kühlen Kopf zu bewahren

  1. Unsere Denkweise verändert sich
  2. Emotionen übernehmen die Kontrolle
  3. Wir handeln unbedacht
  4. Klares Kommunizieren fällt schwerer
  5. Die Fehlerrate steigt

 

Worüber können Sie Ihren Stresslevel so zu regulieren, dass er wieder in den optimalen Leistungsbereich zurück kommt?

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