Die ersten 3 Monate als Führungskraft – 6 wirksame Tipps, wie Sie den Rollenwechsel souverän meistern

By Carola Lübbenjans | Standfeste Haltung im Stress

Okt 04
Rollenwechsel

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„Die ersten 3 Monate als Führungskraft“, so lautet das Thema, zudem Judith Torma mich zu ihrer Blogparade eingeladen hat.

Ich hatte sofort eine Situation vor Augen, die einer ehemaligen Kollegin widerfahren ist. Sie war eine sympathische, kompetente und zurückhaltende junge Frau, die von allen sehr geschätzt wurde. Sie bewarb sich auf eine Stelle als Teamleiterin und setze sich gegenüber einigen anderen Mitarbeitern, die sich ebenfalls beworben hatten durch. Und das, obwohl sie noch nicht allzu lange in der Abteilung arbeitete. Was dann geschah, war abenteuerlich.

Viele Kollegen sahen sie von diesem Tag mit anderen Augen. Überall taten sich neue Baustellen und Konflikte auf und man erwartete, dass die junge Kollegin diese in kürzester Zeit in den Griff bekommt. Schließlich hat sie sich ja diese Stelle ja ausgesucht und jetzt solle sie auch beweisen, dass sie es drauf hat. Die Kollegen distanzierten sich und die Erwartungshaltung stieg enorm. Man beobachtete mit einer gewissen Schadensfreude, wie sich die neue Führungskraft nahezu vergebens bemühte und sich immer mehr aufrieb.

War das fair?

Wenn Sie mich fragen, vorerst nicht. Die junge Kollegin erhielt von ihrem Chef all die Aufgaben, die zuvor ungelöst waren. Sie sollte nun die Aufgaben neu zu verteilen, koordinieren, lang bestehende Konflikte lösen und vor allem sich gegenüber den alteingesessenen Mitarbeitern durchsetzen.

Plötzlich wandelte sich ihre Rolle und sie musste nun mit den Kollegen, mit denen sie zuvor sehr gut zurecht kam anders umgehen. In ihr entstand eine enorm hohe Erwartungshaltung an sich selbst, die ihr in der ersten Zeit zusätzlich immens zusetze. Sie geriet zwischen die Fronten.

Erst nach einiger Zeit stellte man ihr einen professionellen Coach an die Seite. Sie wurde dann Stück für Stück in ihre neue Rolle hinein begleitet und konnte gestärkt und mit klarer Haltung ihre Rolle immer besser ausfüllen. Und das ist meiner Meinung nach fair 🙂

In meinem Artikel „Neu als Führungskraft? 3 wirksame Tipps, wie Sie den Rollenwechsel souverän und gelassen überstehen“ habe ich Ihnen bereits 3 wichtige Impulse gegeben, an die ich nun anknüpfen möchte.

Aus Sicht eines Coaches, möchte ich Ihnen 3 weitere wertvolle Ideen mit an die Hand geben, die Ihnen helfen, die ersten 100 Tage als Führungskraft souverän zu überstehen und für sich Rollenklarheit zu gewinnen.

Ich wiederhole dazu nochmal etwas, was mir am Herzen liegt.

Warum ist Rollenklarheit überhaupt wichtig?

Hinter dem Begriff der Rollenklarheit stehen die Fragestellungen „Wer bin ich?, wo? und wann?“. Denn zu jeder Rolle gehört ein bestimmtes Verhalten und an sie geknüpft sind bestimmte Erwartungen.

So verhalte ich mich gegenüber Eltern anders, als gegenüber meinen Freunden. Und meine Kinder erwarten von mir andere Unterstützung als meine Klienten. Vermischen sich diese Rollen, besteht die große Gefahr, dass mein Gegenüber irritiert ist. Ich verliere an Vertrauen und an Glaubwürdigkeit, wenn ich meinen Kollegen elterliches Erziehungsverhalten zumute. Ebenso merkwürdig wird die Ehefrau das Führungsverhalten des Ehemannes zu Hause empfinden.

Eine klare Rolle einzunehmen ist also wichtig, damit unser Gegenüber eine Orientierung bekommt. Auch wenn es für Außenstehende manchmal wirklich witzig ist, diesen Rollenwechsel zu beobachten. Ich erinnere mich an einen jungen Pilotenschüler, der in der Klasse so eine Art Alphastellung einnahm. Alle hörten zu, wenn er etwas sagte, er sprach mit tiefer und bestimmter Stimme und gab in der Klasse den Ton an. Kam aber seine Freundin zu Besuch, kleidete er sich anders, sprach in einer höheren Tonlage, drückte sich gewählter aus und war in dieser Zeit eher auf Harmonie bedacht. Dieser Wandel war deutlich sichtbar und amüsierte den Rest der Klasse.

Was bedeutet das für Sie?

Wenn Sie weiterhin der Kollege/die Kollegin bleiben, der/die Sie mal waren und gleichzeitig versuchen neue Regeln durchzusetzen, werden Sie höchstwahrscheinlich an Glaubwürdigkeit verlieren und das Vertrauen Ihrer Kollegen einbüßen. Und das wieder aufzubauen dauert sehr lange. Viel länger, als der Moment andauert, indem es zerstört wird.

Ich empfehle Ihnen daher die ersten 3 Monate
 intensiv dazu zu nutzen, sich selbst gut zu reflektieren, um Klarheit zu gewinnen, wie Sie die neue Rolle ausfüllen wollen. Die folgenden 3 Impulse geben Ihnen wirkungsvolle Anregungen für diese wichtige Aufgabe.

 

3 weitere Impulse, wie Sie Rollenklarheit gewinnen

Impuls 4: Bleiben Sie authentisch und  in Ihrer Rolle konsequent

Nutzen Sie eine transparente, authentische Kommunikation. Anstatt jemandem nachzueifern oder lediglich zum Spielball anderer zu werden. Damit meine ich nicht, dass Sie alles offen legen sollen, was Sie beschäftigt. Das wäre in Ihrer Position nicht der richtige Ansatz. Damit meine ich, dass Sie entscheiden, was Sie wann und wie transparent machen und sich dabei nicht verstellen. Handeln Sie aus Ihrer inneren Überzeugung, mit Ihren Werten und Zielen.  Und wenn Sie Fehler machen, dann stehen Sie dazu. Seien Sie Vorbild und zeigen Sie, wie man mit Fehlern umgehen kann, sodass alle einen Nutzen daraus ziehen.

Für mich macht eine erfolgreiche Führungskraft genau das aus. Sie ist berechenbar, fair, kann eigene Fehler zugestehen, sich durchsetzen, ist überzeugt und kann andere motivieren. Dazu Bedarf es ein hohes Maß an Authentizität und Konsequenz, wenn Sie glaubwürdig bleiben wollen.

Impuls 5: Erlauben Sie sich in die Rolle hineinzuwachsen

Wir sind unsere schärfsten Kritiker und setzen uns meist zusätzlich unter Stress, der nicht sein müsste. Gehen Sie genauso wertschätzend mit sich selbst um, wie mit anderen Menschen.

Es dauert eine Weile, bis man einen solchen Rollenwechsel so vollziehen hat, dass man sich sicher und wohl fühlt. Verhaltensänderungen passieren nie über Nacht. Daher ist es in Ordnung, sich diese Zeit der Entwicklung zu nehmen und langsam hinein zu wachsen. Würden Sie einem Kollegen in derselben Situation diese Zeit nicht zugestehen?

Mit weniger Eigendruck wird es Ihnen leichter und authentischer gelingen, Ihre Rolle zu leben, Ihre neuen Aufgaben wahrzunehmen und zu einer Führungskraft heranzureifen, wie Sie sich das vorstellen.

Bleiben Sie fair zu sich selbst.

Impuls 6: Belohnen Sie sich für Etappenziele

Die erste Zeit geht mit viel Unsicherheit einher. Sie müssen sich erst einmal orientieren und Ihren eigenen Weg finden. Unterstützen Sie sich dabei. Gönnen Sie sich eine Belohnung, wenn Sie ein Etappenziel auf diesem Weg erreicht haben.

Das hört sich banal an. Ist es aber nicht.

Ihr Gehirn verbindet diese positiven Erlebnisse mit den entsprechenden Situationen. Sie setzen das Signal: „Das war nicht bedrohlich. Ich konnte das bewältigen.“ Das wirkt sich auf zukünftige, ähnlich gestrickte Situationen positiv aus. Die Stresreaktionen werden weniger und Sie werden mit mehr Sicherheit an die neuen Herausforderungen herangehen. Sie stärken sich also selbst. Wenn das kein Grund ist, sich frei von einem ohne schlechten Gewissen, etwas Gutes zu gönnen 🙂

Fazit

Der Weg von einer Rolle in die nächste ist ein Veränderungsprozess, der Zeit braucht und gut begleitet werden will. Mit diesen 6 Impulsen, haben Sie die Möglichkeit, sich selbst in diesem Prozess wirkungsvoll zu unterstützen. (Mehr zu den ersten 3 Impulsen finden Sie hier).

Impuls 1: Bestimmen Sie Ihren Standpunkt

Impuls 2: Klären Sie die Erwartungshaltungen

Impuls 3: Gehen Sie in die Offensive

Impuls 4: Bleiben Sie authentisch und  in Ihrer Rolle konsequent

Impuls 5: Erlauben Sie sich in die Rolle hineinzuwachsen

Impuls 6: Belohnen Sie sich für Etappenziele

Wer merkt, dass er/ sie alleine das nicht schafft, sollte sch überlegen, sich professionell unterstützen zu lassen.

Ein erfahrener Coach ist in diesem Prozess eine hilfreiche Begleitung. Ein neutraler Blick von außen hilft dabei, sich neu auszurichten. Der Stresslevel sinkt spürbar und Sie schärfen Ihren Blick für das Wesentliche. Sie stehen nicht allein vor den Herausforderungen und Hürden und haben eine Zeit lang eine professionelle Begleitung an Ihrer Seite. So lange, bis Sie die Sicherheit haben, dass Sie alleine weitergehen können.

Rufen Sie gerne an, wenn Sie eine unverbindliche Beratung wünschen.

Meine Frage an Sie: Welche Unterstützung haben Sie bislang erhalten?

Ich freue mich auf Ihren Kommentar.

Alles Gute,

Carola Lübbenjans

Ihr Coach für Handlungsfähigkeit unter Stress

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