Neu als Führungskraft? 3 wirksame Tipps, wie Sie den Rollenwechsel souverän und gelassen überstehen

By Carola Lübbenjans | Souveräne Haltung

Sep 20
Rollenwechsel
Rollenwechsel

Quelle: Pixabay

An diesem Wochenende war ich eingeladen zum 20-jährigen Abi-Treffen. Das letzte Mal, habe ich meine Mitschüler vor 10 Jahren getroffen. Also, nichts wie hin und schauen, wer sich wie verändert hat.

Es hat riesigen Spaß gemacht zu beobachten, in welche Rollen wir alle schon beim Betreten des Raumes geschlüpft sind. Plötzlich waren wir wieder so jung wie damals. Und jeder nahm nahezu seine alte Stellung in der Gruppe ein. Unsere Sprache und unser Verhalten passten sich diesen Rollen sofort an. Hätten unsere Kollegen oder unsere Ehepartner und Kinder uns so beobachten können, sie hätten sich wahrscheinlich kaputtgelacht :-).

Unbewusste Rollenwechsel

Wir alle nehmen im Alltag ganz verschiedene Rollen ein und bemerken oft gar nicht, wie unser Verhalten, unsere Körpersprache und unsere Ausdrucksweise sich mit der entsprechenden Rolle verbinden.  Das geschieht ganz automatisch und in der Regel ecken wir damit auch nirgends an. Problematisch wird es erst, wenn der Rollenwechsel nicht komplett stattfindet. Zum Beispiel, wenn der Flugkapitän nach Hause kommt und immer noch das Zepter in der Hand halten will J.

Oder, wenn ein Mitarbeiter zur Führungskraft wird und von einem Tag auf den anderen von der Kollegenrolle zur Chefrolle wechseln soll. Findet dieser Wechsel nicht nahtlos und vollständig statt, kommt es zu Irritationen und Konflikten, die letztlich den eigenen Stresslevel in die Höhe schnellen lassen. Klammert sich die frischgebackene Führungskraft zu sehr an die ehemalige Rolle des Kollegen, kommt es zwangsläufig zu Konflikten, weil die Führungsrolle mit anderen Erwartungen und Verhaltensweisen verknüpft ist.

Ich wurde gebeten, einen Gastartikel zum Thema „Die ersten 100 Tage als Führungskraft“ zu verfassen. Und ich möchte Ihnen 3 Tipps mit an die Hand geben, die Ihnen helfen, die ersten 100 Tage als Führungskraft souverän zu überstehen und für sich Rollenklarheit zu gewinnen.

Mein Gastartikel wird dann fortgesetzt und enthält 3 weitere wertvolle Impulse für den Weg in die neue Rolle.

Warum ist Rollenklarheit überhaupt wichtig?

Hinter dem Begriff der Rollenklarheit stehen die Fragestellungen „Wer bin ich?, wo? und wann?“. Denn zu jeder Rolle gehört ein bestimmtes Verhalten und an sie geknüpft sind bestimmte Erwartungen.

So verhalte ich mich gegenüber Eltern anders, als gegenüber meinen Freunden. Und meine Kinder erwarten von mir andere Unterstützung als meine Klienten. Vermischen sich diese Rollen, besteht die große Gefahr, dass mein Gegenüber irritiert ist. Ich verliere an Vertrauen und an Glaubwürdigkeit, wenn ich meinen Kollegen elterliches Erziehungsverhalten zumute. Ebenso merkwürdig wird die Ehefrau das Führungsverhalten des Ehemannes zu Hause empfinden.

Eine klare Rolle einzunehmen ist also wichtig, damit unser Gegenüber eine Orientierung bekommt. Auch wenn es für Außenstehende manchmal wirklich witzig ist, diesen Rollenwechsel zu beobachten. Ich erinnere mich an einen jungen Pilotenschüler, der in der Klasse so eine Art Alphastellung einnahm. Alle hörten zu, wenn er etwas sagte, er sprach mit tiefer und bestimmter Stimme und gab in der Klasse den Ton an. Kam aber seine Freundin zu Besuch, kleidete er sich anders, sprach in einer höheren Tonlage, drückte sich gewählter aus und war in dieser Zeit eher auf Harmonie bedacht. Dieser Wandel war deutlich sichtbar und amüsierte den Rest der Klasse.

Was bedeutet das für Sie?

Wenn Sie weiterhin der Kollege/die Kollegin bleiben, der/die Sie mal waren und gleichzeitig versuchen neue Regeln durchzusetzen, werden Sie höchstwahrscheinlich an Glaubwürdigkeit verlieren und das Vertrauen Ihrer Kollegen einbüßen. Und das wieder aufzubauen dauert sehr lange. Viel länger, als der Moment andauert, indem es zerstört wird.

Ich empfehle Ihnen daher die ersten 100 Tage intensiv dazu zu nutzen, sich selbst gut zu reflektieren, um Klarheit zu gewinnen, wie Sie die neue Rolle ausfüllen wollen. Die folgenden 3 Impulse geben Ihnen wirkungsvolle Anregungen für diese wichtige Aufgabe.

 

3 Impulse, wie Sie Rollenklarheit gewinnen

Impuls 1: Bestimmen Sie Ihren Standpunkt

Nehmen Sie sich ein Blatt Papier und visualisieren Sie folgende 2 Eckpunkte und den Weg dazwischen:

Wie will ich als Führungskraft sein?  (Idealbild)

Schreiben und zeichnen Sie auf, wie Sie Ihre neue Rolle idealerweise ausfüllen.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten alle Hürden schon genommen und wären eine wirklich gute Führungskraft. Wie sieht das genau aus: Wo arbeiten Sie am liebsten? Wie sieht ihr Büro aus? Welche Tätigkeiten gehören zu Ihren täglichen Herausforderungen, die Sie motiviert meistern? Wie verhalten Sie sich gegenüber Ihren Vorgesetzten, Mitarbeitern, Kollegen? Gibt es Menschen, mit denen Sie jetzt am liebsten zusammenarbeiten? Wer ist das und warum?

Versuchen Sie Ihre Augen zu schließen und sich die Situation bildlich vorzustellen. Beziehen Sie möglichst viele Sinne mit ein: Was hören, riechen, sehen Sie?

Wenn Sie eine klare Vorstellung von Ihrem Idealbild haben, dann gehen Sie zur Ausgangsposition heute zurück.

Wo stehe ich jetzt? (Selbstbild)

Reflektieren Sie, welche Werte Sie ausmachen. Warum haben Sie diese Stelle erhalten? Was zeichnet Sie aus? Auf welche Stärken können Sie bauen?

Schauen Sie dazu auch ein Stück in die Vergangenheit: Welche Meilensteine haben Sie bereits gemeistert in Ihrem Leben. Worauf können Sie stolz sein? Wie helfen Ihnen diese Meilensteine in der jetzigen Situation?

Wenn Sie diese Aufgabe für sich gelöst haben, dann legen Sie die beiden Bilder nebeneinander und schauen auf die Schritte, die Sie von einem Bild zum nächsten bringen können.

Welche Schritte führen mich vom jetzigen Ausgangspunkt zum Idealbild?

Achten Sie darauf, dass Sie dabei die „Ressourcenbrille“ aufsetzen und mit dieser Perspektive überprüfen, welche Unterstützung Sie jetzt benötigen. Was können Sie selbst erreichen? Welche Schritte brauchen externe Unterstützung und in welcher Form? Je ehrlicher Sie mit sich selbst umgehen, desto weniger Stress werden Sie in der ersten Zeit erleben.

Mit der Visualisierung dieser 2 Punkte und dem Prozess, der vom Istzustand zu Ihrem Ziel führt, können Sie überprüfen, ob Ihre Erwartungen an sich selbst realistisch sind, oder angepasst werden müssen. Sie können immer wieder kontrollieren, ob Sie sich auf Ihr Ziel zu bewegen, oder ob Sie Kurskorrekturen vornehmen müssen. Das bringt mich zum 2. Impuls.

 

Impuls 2: Klären Sie die Erwartungshaltungen

 Klären Sie zunächst alle Erwartungen, die mit der neuen Rolle verbunden sind.

1. Erwartungen an sich selbst

Was ist für mich jetzt die größte Herausforderung? Was erwarte ich von mir? Ist diese Erwartung realistisch?

Stecken Sie Ihre Erwartungen hoch genug, dass Sie diese als Herausforderung erleben und niedrig genug, um sie auch erfüllen zu können. So verhindern Sie, dass Sie sich zusätzlich unter Druck setzen, und reduzieren Ihren Stresslevel enorm.

2. Erwartungen Ihrer Vorgesetzten

Welche Anforderungen werden an Sie gestellt? Was erwartet Ihr Chef von Ihnen? Welchen Stellenwert nehmen Sie in der Firma ein?

Vergleichen Sie diese Anforderungen mit Ihrem jetzigen Standpunkt und Ihrem Idealbild. So klären Sie, welchen Anforderungen Sie bereits gewachsen sind und an welchen Stellen es schwierig wird. Nun kommt wieder die Ressourcenbrille ins Spiel: Welche Unterstützung benötigen Sie, um diese Hürden leichter zu bewältigen? Wo erhalten Sie diese Unterstützung und bis wann sollten Sie sich darum kümmern?

3. Erwartungen Ihrer Mitarbeiter

Was erwarten Ihre Mitarbeiter von Ihnen? Welche Wünsche, Bedürfnisse haben sie und wie stellen sie sich die zukünftige Zusammenarbeit vor?

Klären Sie das nicht in Ihrem Kopf. Die Gefahr, dass Sie mit Ihren Vermutungen daneben liegen, ist hoch und löst unnötigen Stress aus. Nutzen Sie die Gelegenheit einzelner Mitarbeitergespräche, um diese Punkte direkt zu klären.

Klären Sie gemeinsam Sie Fragen, wie:

  • Wie soll die Zusammenarbeit aussehen?
  • Welche Wünsche der Mitarbeiter können Sie in welchem Zeitraum erfüllen? Welche nicht?
  • Wie wollen Sie Konflikte angehen? Was erwarten Ihre Mitarbeiter von Ihnen? Welchen Anspruch haben Sie diesbezüglich an sich selbst, und was erwarten Sie von Ihren Mitarbeitern?

Die große Chance, die Sie jetzt haben liegt darin, die Erwartungshaltungen realistisch in Bezug zu setzen zu dem, was wirklich erreichbar ist.

Sollten Ihre Mitarbeiter eine – Ihrer Meinung nach – unrealistische Erwartungshaltung zeigen, können Sie Lösungsvorschläge einfordern. Nehmen Sie die Wünsche ernst, aber laden Sie sich nicht die alleinige Verantwortung auf. Fordern Sie zur aktiven Zusammenarbeit auf. Damit zeigen Sie nicht nur, dass Sie Ihren Mitarbeiter Vertrauen, sondern, dass Ihnen ihre Meinung sehr wichtig ist.

 

Impuls 3: Gehen Sie in die Offensive

Von mehren Seiten prasseln jetzt die Anforderungen auf Sie ein. Eine neue Rolle bringt immer das Gefühl der Unsicherheit mit sich. Der Impuls, sich an anderen zu orientieren ist groß. Die Gefahr liegt darin, dass man schnell zwischen die Fronten gerät, wenn man keinen eigenen Standpunkt einnimmt.

Wenn Sie sich einen Gefallen tun wollen, dann machen Sie sich deutlich Folgendes bewusst: Sie können es nicht allen recht machen!

Bleiben Sie sich selbst gegenüber fair und überlegen Sie zunächst, was unbedingt zu tun ist, was sollte angegangen werden und was könnten Sie tun. Bekommen Sie Klarheit über Kann – Soll – Muss und teilen Sie Ihre Aufgaben nach diesen Kategorien ein. Dann fällt es Ihnen leichter, Ihren Weg zu finden und es in Ihrem Tempo anzugehen. Jetzt können Sie eine eigene Stellung beziehen, und weil Sie selbst die Dringlichkeiten durchgegangen sind, können Sie diese auch besser durchsetzen.

Überlegen Sie, was Sie als Erstes angehen wollen. Fokussieren Sie sich auf die 3 wichtigsten Punkte und kommunizieren Sie diese wertschätzend nach außen. Sorgen Sie dabei für ein leichtes Hierarchiegefälle. Das heißt, dass Sie Ihre Mitarbeiter nach Lösungsvorschlägen fragen und das Für und Wider mit ihnen durchgehen. Die Entscheidung bleibt aber in Ihrer Hand.

Wie geht es weiter?

Das ist der erste Teil zu mehr Rollenklarheit in den ersten 100 Tagen als Führungskraft. Ich habe weitere Tipps für Sie, die ich als Gastartikel veröffentlichen werde. Der genaue Erscheinungstag ist noch nicht festegelegt. Ich gebe Bescheid, wenn es so weit ist, und werde den entsprechenden Link dann in diesem Artikel einfügen.

Diese ersten 3 Tipps haben es wirklich in sich. Lassen Sie sich darauf ein und probieren Sie es aus. Ich freue mich auf Ihre Fragen und Ihr Feedback dazu.

Viele Grüße

Carola Lübbenjans

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