Wie die VUCA-Welt Ihre Führung verändert

By Carola Lübbenjans | Standfeste Haltung im Stress

Mai 23
Fuehrung in der VUCA-Welt
Fuehrung in der VUCA-Welt
Kürzlich durfte ich an einem interkulturellen Training teilnehmen. Die Trainerin gab uns ein Fallbeispiel und lud uns ein, ein Gespräch mit einem japanischen Kunden vorzubereiten. Eifrig sammelten wir und diskutierten über das zuvor Gelernte.

Das Ergebnis ließ sich sehen.

Wir hatten eine strukturierte Vorgehensweise mit Schlagworten und fühlten uns bereit für das Gespräch.

Was hat denn das mit Führung in der VUCA-Welt zu tun?

Geben Sie mir noch eine Sekunde - das wird gleich deutlich.

Die Simulation verlief einigermaßen gut – aber so richtig zufrieden waren wir nicht. Die Trainerin spiegelte uns, dass wir in unserem Denk- und Verhaltensmuster komplett geblieben sind. Typisch deutsch – war Ihr Fazit.

Wir bleiben in typischen Verhaltensmustern, selbst wenn wir verstanden haben, dass diese uns nicht ans Ziel führen. In diesem Artikel geht es um die Frage, ob Ihr Führungsverhalten mit den Anforderungen der VUCA-Welt kompatibel ist.

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Stehen erlernte Verhaltensmuster und VUCA im Konflikt?

Wenn wir uns einmal vor Augen führen über wie viele Jahre hinweg wir gelernt haben, uns in bestimmten Situationen in einer gewissen Art und Weise zu verhalten. Wie sich erfolgreiche Verhaltensmuster nach und nach automatisiert haben. Wie wir an Probleme herangehen, Ideen entwickeln, uns Strategien zurechtlegen und Entscheidungen fällen – über Jahrzehnte hinweg. Dann wird eines sehr deutlich.

Wir können nicht einfach aus unserer Haut.

Diese Denk- und Verhaltensmuster sind tief in uns verwurzelt.

Braucht die VUCA-Welt neue Verhaltensmuster?

Der Begriff VUCA beschreibt die Herausforderungen, denen sich Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung stellen müssen. Das Akronym steht für Volatilität (volatility), Unsicherheit (uncertainty), Komplexität (complexity) und Mehrdeutigkeit (ambiguity). Es ist ein absolutes Buzzword, mit dem auf dem Weiterbildungsmarkt Druck ausgeübt wird: Die Menschen müssen sich verändern!

Dass eine Veränderung erfolgen muss, ist - glaube ich - uns allen klar. Die Frage ist doch - in welche Richtung? Und vor allem: Mit wie viel Aufwand ist das für mich persönlich verbunden?

Lassen Sie mich ein kurzes Beispiel anbringen, bevor wir diese Frage beantworten.

Kuriose Vorstellungen

Ein Kollege twitterte neulich über eine Kundenanfrage. Er wurde gebeten, das Agile Mindset – passend zur VUCA-Welt - bitte in dem Führungsteam des Unternehmens zu installieren.

Die Wortwahl ist doch grandios. Sie zeigt sehr deutlich die Vorstellung des Unternehmers. Er denkt, dass man etwas nur einrichten muss, damit es läuft. Wie ein Softwareupdate und schwuuuupps hat er bei seinen Mitarbeitern die Version 4.0 installiert.

Fit für VUCA!

Die harte Realität: Menschen funktionieren so nicht!

Aus dem Beispiel wird deutlich: Eine kognitive Wissensvermittlung mit dem entsprechenden Verständnis reicht nicht aus, um Verhalten zu verändern. Erinnern Sie sich an die magische Kopf-Bauch-Verbindung? Es braucht deutlich mehr!

VUCA im Cockpit: Gelingt nur mit dieser magischen Verbindung

Piloten sind permanent einer hochdynamischen Umwelt ausgesetzt, auf der sie sich jederzeit neu einstellen müssen. Sie müssen mit unvorhersehbaren Situationen umgehen können. Dazu trainieren wir sie bereits in der Ausbildung in allen möglichen Fachbereichen.

Kern ist und bleibt aber vor allem eins: Die innere Haltung.

Wenn diese nicht passt, dann funktioniert der Rest einfach nicht. Und darin begleiten wir unsere Nachwuchspiloten vom ersten Tag an.

Braucht die VUCA-Welt überhaupt ein anderes Führungsverhalten als das bislang Bewährte? Ja, definitiv! Ich zeige Ihnen auch warum. 

Trotz VUCA in Führung bleiben

Fakt ist, wir leben in einer Welt, die durch Schnelllebigkeit und Veränderung innerhalb kürzester Zeit geprägt ist. Buzzword hin oder her.

Daher macht es doch Sinn, sich mit den neuen Anforderungen auseinanderzusetzen.

Wie verändert sich Führung in dieser neuen Welt? 

Dazu gibt es mehrere Artikel und Videos, die das im Detail beschreiben. Ich fasse mal zusammen (eine typisch deutsche Vorgehensweise übrigens: Deduktion statt Induktion 😉).

  • Führungskräfte müssen sich zunehmend auf den Kunden ausrichten und sie müssen damit rechnen, dass sich Kundenwünsche sehr kurzfristig verändern können.
  • Um dem zu begegnen, braucht es weniger langfristige Planung und Projektarbeit, sondern Flexibilität und Innovation.
  • Diese schaffen wir mit den bislang gelebten Führungsstilen in der Regel nicht oder zumindest nicht ausreichend genug.
  • Es geht zunehmen darum komplexe Problemstellungen von kleineren, hoch kompetenten Teams lösen zu lassen. Diese müssen möglichst kreativ neue Ideen entwickeln und vor allem zeitnah umsetzen können. Alte Hierarchie-Strukturen bremsen diesen Prozess.
  • Daher muss das Verständnis einer solchen Führungskraft sich weg vom Anleitenden, delegierenden, priorisierenden Chef hin zum Begleiter, Ermöglicher, Vernetzer verändern.

Aus einer Top-down wird eine Bottom-Up Führung! Und das setzt eine entsprechende innere Haltung voraus! 

Top-down-Fuehrung
Bottom-up-Fuehrung


Innere Haltung wird zum Erfolgsfaktor

Überzeugungen in uns bestimmen unsere innere Haltung und das wiederum bestimmt unser Verhalten.

Wenn Sie wissen, dass es - um schneller agieren zu können - wichtig ist, dass Teams sich selbstverantwortlich steuern, dann verstehen Sie vielleicht, dass es zu Konflikten kommt, wenn die Führungskraft z. B. verinnerlicht hat „Ich entscheide besser allein“ oder „Am Ende muss ich doch alles selber machen“.

Ihr Führungsverständnis hängt ganz eng mit diesen Überzeugungen zusammen. Diese können Sie ausbremsen, aber genauso sehr konstruktiv ausgerichtet sein und Sie voranbringen. Und das ist die Richtung, in die es sich meines Erachtens zu schauen lohnt.

Dazu müssen Sie zunächst einmal wissen, welche Überzeugungen in Ihnen arbeiten und ob diese für die Herausforderungen der VUCA-Welt förderlich oder hinderlich sind. Mit wie viel Aufwand das für Sie persönlich verbunden ist, hängt also an ganz individuellen Faktoren und so allgemein, wie es auf dem Weiterbildungsmarkt oftmals impliziert wird, gar nicht beantwortet werden. 

Fazit

Aus der Anfangsfrage, wie weit ich mich persönlich verändern muss, um in der VUCA-Welt erfolgreich in Führung zu gehen, ergibt sich eine viel simplere Frage, die es vorher zu klären gilt: Wollen Sie sich verändern?

Aber Vorsicht. Die Frage hat es in sich. Denn, wenn Sie jetzt innerlich verärgert denken: „Ja doch – das ist doch nicht das Problem. Klar bin ich bereit dazu.“  Dann wage ich eine Frage drauf zusetzen:

Passt Ihre innere Haltung zu dem Veränderungsprozess?

Damit lasse ich Sie nun allein und bin gespannt auf Ihre Reaktion. (Gern als Kommentar)