Unter Druck arbeiten? Wie Sie den 3 häufigsten Stolperfallen entkommen und Ihre Fehlerquote deutlich senken

By Carola Lübbenjans | Leistungsstarke Führung

Nov 01
unter Druck arbeiten und Fehlerquote senken
unter Druck arbeiten und Fehlerquote senken

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Welche Folgen hat es, wenn wir unter Druck arbeiten?

Es ist Nacht und plötzlich ertönt ein rumpelndes, lautes Geräusch. Kurz darauf bricht im Cockpit die Hölle los. Warnsignale leuchten und piepen um die Wette.

Die Cockpitcrew scannt die Instrumente und stellt fest, dass sich ein Triebwerk verabschiedet hat. Aufgrund des Geräusches gehen die Piloten von einem Vogelschlag aus.

Wie Sie sich vorstellen können, ist jetzt dringender Handlungsbedarf angesagt. Die Piloten müssen weitreichende Entscheidungen treffen, und zwar innerhalb kürzester Zeit.

  • Wo ist die nächste Möglichkeit die beeinträchtigte Maschine zu landen?
  • Welche Unterstützung brauchen wir jetzt von außen?
  • Welche Sicherheitsmaßnahmen brauchen wir am Boden?
  • Haben wir alles berücksichtigt, was die Sicherheit der Landung angeht?

Und vieles mehr.

Hinter jeder dieser Fragen verbergen sich viele kleine Entscheidungen, die insgesamt eine große Auswirkung auf die Sicherheit der Landung nehmen. Wenn hier Fehler passieren, kann das fatale Konsequenzen haben.

Auch, wenn die Cockpitcrew ein mulmiges Bauchgefühl hat und unter erhöhtem Druck steht, müssen Sie einen kühlen Kopf bewahren. Sie wissen, dass aufgrund des plötzlich erhöhten Stresslevels so nicht in der Lage sind, ihre volle Leistung abzurufen. Und sie wissen, dass sie diese aber dringend brauchen, um zügig komplexe Entscheidungen zu treffen und umzusetzen.

Sie müssen, es geht gar nicht anders. Genau dafür wurden und werden sie immer wieder trainiert – handlungsfähig zu bleiben unter Stress.

Und, was hat das mit Ihrer Arbeit zu tun?

Auch wenn sich diese Situation nicht 1 zu 1 in Ihrer Tätigkeit wiederfindet, gibt es doch Momente, in denen erhöhter Zeitdruck herrscht und von Ihnen erwartet wird, dass Sie schnell und richtig entscheiden, wenn es mal wieder „brennt.“ Die hohe Verantwortung, die Sie unter anderem mit dieser Entscheidung tragen, erhöht Ihren Stresslevel enorm.

Und das hat Folgen: Eben dieser erhöhte Stresslevel stellt fiese Stolperfallen auf, in die wir alle nur allzu gerne hineintappen. In diesem Blogartikel stelle ich Ihnen drei der häufigsten Stolperfallen vor und ich verrate Ihnen, wie Sie diesen entkommen können.

Denn das, was in großer Höhe funktioniert, klappt auch am sicheren Boden.

 

3 Stolperfallen, in die Sie tappen, wenn Sie unter Druck arbeiten und wie Sie diesen entkommen

Stolperfalle 1: mangelnder Abgleich

Wenn wir unter hohem Stress stehen, dann haben wir nicht denselben Zugriff auf unsere gespeicherten Daten im Gehirn, wie im Ruhezustand. Deshalb neigen wir alle dazu unter Stress auf das, was am Erprobtesten ist, auf das, was wir routinemäßig abgespeichert haben, zurückzugreifen. An diese Daten kommen wir in solchen Momenten einfach leichter dran.

Das muss kein Problem darstellen, sofern das, was wir da abrufen auch zu der aktuellen Situation passt.

Sobald es aber Abweichungen gibt, das heißt, die Handlungsstrategien, auf die ich zugreife, passen eben nicht 100%ig zum vorliegenden Problem, entsteht eine Fehlerquelle. Und in die tappen wir dann zielsicher hinein. Das führt dazu, dass falsche Lösungswege gegangen werden, die dann natürlich nicht das Ergebnis erzielen, was eigentlich beabsichtigt war.

Dort gedanklich wieder herauszukommen und von vorn einzusteigen, kostet enorm viel Zeit und Energie.

Beispiel

Stellen Sie sich vor, Sie sind mit dem Auto unterwegs – ohne Navi. Sie haben einen dringenden Termin und sind spät dran. Sie haben sich den Weg angeschaut, bevor Sie losgefahren sind, und waren vor vielen Jahren schon einmal dort.

Plötzlich ist eine Straße ist gesperrt. Sie überlegen kurz, haben sofort eine Idee im Kopf und fahren einen anderen Weg weiter. Sie haben sich schon oft auf Ihren Orientierungssinn verlassen und es hat immer funktioniert. An irgendeiner Stelle haben Sie einen Hinweis auf eine neue Umleitung übersehen und biegen falsch ab. Sie fahren eine ganze Weile weiter und biegen mal hier und mal dort ab, so wie es in ihrem Kopf abgespeichert war.

Am Ende kommen Sie aber nicht an Ihrem vorgestellten Ziel an. Und nun? Es braucht eine Weile, bis Sie Ihren Fehler an der richtigen Stele aufdecken, zurückfahren und von neuem starten.

Und das ausgerechnet jetzt, wo Ihre Zeit doch eh schon knapp bemessen war. Die Folge: In der Zwischenzeit hat sich Ihr Puls deutlich erhöht, oder?

Was können Sie tun?

Tipp 1: Lassen Sie sich Zeit für die Analyse

Geben Sie der Phase der Analyse des Problems unbedingt Zeit und Raum.

Nutzen Sie des Teufels Anwalt und hinterfragen Sie kritisch, was gegen Ihre Lösung spricht, bevor Sie an die Umsetzung gehen. Wir neigen dazu, wenn wir schon eine Lösung gefunden haben, diese vorschnell anzunehmen und nur noch nach Bestätigung zu suchen (Confirmation Bias).

Dieses kritische Hinterfragen sorgt dafür, dass ich Ihre Wahrnehmung wieder öffnen kann und überhaupt bereit ist, Fehler frühzeitig aufzudecken.

Stolperfalle 2: starre Denkweise

Auch unsere Denkweise verändert sich. Sie wird rigider, starrer und ist weit entfernt von Kreativität. Dumm nur, wenn es um ein Problem geht, welches eine intelligente, kreative Lösung erfordert.

Wie kommen Sie daraus?

Tipp 2: Reduzieren Sie Ihren Stresslevel

Hier gilt es unbedingt, Ihren Stresslevel zuerst runter zu fahren, bevor Sie weiter machen.

Gehen Sie weg vom Arbeitsplatz, raus aus dem ganzen Druck. Sorgen Sie dafür, dass Sie sich emotional distanzieren können. Gerade wenn Sie ein Problem geschildert bekommen, was sehr hoch kocht und der Überbringer total aufgeregt ist und in allen Farben ausmalt, wie sehr die Zeit drängt, dann schwappt diese Emotionalität auf Sie über.

Wenn Sie sich der Sache mit kühlem Kopf annehmen wollen, dann hilft es, sich vorab Distanz zu diesen Emotionen zu verschaffen. Das geht in der Regel einfach: Gehen Sie raus aus der Situation, atmen Sie durch und machen Sie kurz etwas ganz anderes, um runterzukommen. Ein Gang zur Toilette, kann schon Wunder bewirken. 🙂

Wenn das nicht geht, wie im Beispiel der Cockpitcrew mit dem Triebwerksausfall, dann konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung. Achten Sie bewusst auf Ihre Atmung. Diese ist jetzt relativ flach und schnell. Versuchen Sie langsam ein und auszuatmen. Geben Sie dem Ausatmen mehr Zeit. Versuchen Sie bis in den Bauch hineinzuatmen.

Will ich jetzt Entspannungstechniken mit Ihnen durchgehen? Nein, ich zeige Ihnen, wie Sie innerhalb weniger Minuten Ihr System beruhigen können. Und die Atmung ist der einzige Punkt, den Sie körperlich bewusst steuern können.

Wenn Sie raus sind aus der Emotion, aus dem Druck und Ihr System sich weitestgehend beruhigt hat, krempeln Sie die Ärmel hoch und legen los. Auch hier können Sie Tipp 1 gut anwenden.

 Stolperfalle 3: fehlender Einsatz von verfügbaren Ressourcen

Gerade leistungsorientierte Menschen neigen dazu, unter Stress zum Einzelkämpfer zu werden. Sie wollen die Kontrolle über die Situation behalten und fokussieren sich in dem Moment nur auf Ihre eigene Tatkraft. Mit dem Gedanken im Hinterkopf: „Was ich in der Hand habe, kann ich besser kontrollieren. Zudem weiß ich jederzeit, wo ich stehe.“

In Stresssituationen, in denen es um Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen geht, rate ich Ihnen dringend davon ab, das zu tun. Eben aufgrund der Fehleranfälligkeit des Gehirns, wenn Sie unter Druck arbeiten.

Was hilft Ihnen jetzt?

Tipp 3: Holen Sie sich Unterstützung

Sie sollten sich mindestens eine weitere Person mit an Board holen, wenn Sie unter Druck arbeiten müssen. Es geht darum, dass Sie jemanden haben, der Ihre Gedanken und Planungen kritisch gegenprüft.

Klären Sie zunächst, was jeder für Gedanken hat (Mentales Modell). Klären Sie alle Zweifel, bevor Sie Handlungsoptionen überlegen. Wenn Sie Optionen entwickeln, dann frei von jeder Bewertung (siehe Schritt 2). Denn das garantiert Ihnen neue Perspektiven und Kreativität in den Ideen. Bewertungen hingegen schränken Sie schnell ein und Sie entwickeln einen Tunnelblick.

In der Fliegerei sprechen wir von Crosscheck. Jeder überprüft den anderen, immer mit der Frage: „Was spricht dagegen?“ Nicht, weil man den anderen widerlegen will, sondern weil man seinen Tunnelblick wieder zu öffnen versucht und so Fehler frühzeitig entdeckt werden können.

Fazit

Wenn Sie unter Druck arbeiten müssen, stehen Sie unter Stress. Und unter Stress handeln wir deutlich anders. Die Fehlerwahrscheinlichkeit erhöht sich und es gibt Entscheidungen, bei denen man sich keine Fehler leisten kann. Deshalb ist es wichtig, sich über die Stolperfallen bewusst zu werden, die psychischer Stress mit sich bringt.

Die häufigsten 3 Fehlerquellen im Überblick:

Stolperfalle 1: mangelnder Abgleich

Stolperfalle 2: starre Denkweise

Stolperfalle 3: fehlender Einsatz von verfügbaren Ressourcen

 

Welche Chance haben Sie, diesen zu begegnen?

Tipp 1: Lassen Sie sich Zeit für die Analyse

Tipp 2: Reduzieren Sie Ihren Stresslevel

Tipp 3: Holen Sie sich Unterstützung

 

Wie reagieren Sie, wenn Sie unter Druck arbeiten? Schreiben Sie mir.