Sep 22
Stressverschaerfer

Wie Sie Ihre stressverschärfenden Denkmuster verändern

Wie Sie Ihre stress-verschärfenden Denkmuster verändern

In der letzten Zeit begegnet mir ein Thema im Coaching immer wieder: Der hohe Verantwortungsdruck, den Führungskräfte täglich schultern. Ich nehme dieses Thema zum Anlass, um Ihnen einen Einblick in die Welt der eigenen Stressverstärker geben, die diesen Druck unnötig anheizen.

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Der größte Teil unseren Stresserlebens ist hausgemacht. 

Das bedeutet, dass in unserem Kopf Prozesse ablaufen, die dazu führen, dass der eigene Stresslevel unnötig in die Höhe schnellt. Auch beim Thema Verantwortung gibt es diese Verstärkungsmechanismen. Mentale Verstärker sorgen dafür, dass wir uns selbst mehr unter Druck setzen, als wirklich da sein müsste. Unsere Leistungsfähigkeit leidet darunter sehr, ganz zu schweigen von der eigenen Zufriedenheit.

Darin liegt zugleich eine große Chance, denn hier können Sie ansetzen und den Spieß umdrehen.

Die Macht des eignen Denkstils

Die Arbeitsbelastung und die Verantwortung von Führungskräften ist sehr hoch. Einigen gelingt es, trotz dieser Belastungen, leistungsfähig zu bleiben. Andere reiben sich auf, fühlen einen inneren Druck und sehen kaum eigenen Handlungsspielraum. Mehr Fehler, falsche Entscheidungen und noch höherer Druck sind u.a. die Folge.

Was machen die scheinbar stressresistenten Führungskräfte denn anders?

Auf diese Frage gibt es sicherlich mehrere Antworten, weil die Faktoren vielfältig sind. Dennoch gibt es einen Bereich, der direkt Einfluss auf das Stressempfinden nimmt und sich somit auf Ihre Leistungsfähigkeit auswirkt: Ihre Gedanken.

Ihre Gedanken darüber, wie Sie schwierige Situationen erleben und bewerten. Denn Stress entsteht zum größten Teil im Kopf! Und hier können Sie gezielt ansetzen und etwas verändern. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie!

5 Gedanken, die Ihren Stress kräftig verstärken

Es gibt einen Denkstil, der ungeheuer Stress verstärkend wirkt. Er enthält Gedanken, wie „Nicht das auch noch“, „Wenn ich das nicht schaffe, dann...“.  Diese Gedanken sind hauptsächlich destruktiv ausgerichtet und sorgen dafür, dass die Bewertung, eine Situation zu meistern, negativ ausfällt.

Mit diesen 5 Fragen, können Sie diesen Denkstil aufdecken:

  1. Betrachten Sie die Negativseiten einer Situation häufig zuerst?
  2. Verallgemeinern Sie negative Erlebnisse auf andere Bereiche?
  3. Haben Sie sehr hohe Erwartungen an sich selbst?
  4. Beschäftigen Sie negative Erfahrungen sehr lange? 
  5. Fühlen Sie sich allein verantwortlich? 

Kennen Sie diese oder ähnliche Gedanken?

Was passiert hier? Statt eine Herausforderung zu erleben, wird die Situation mental zur Bedrohung. Die Überzeugung, die Situation in den Griff zu bekommen, wird geschwächt, mit der Folge, dass sich der eigene Stresslevel erhöht. Wie sich das auf Ihre Leistungsfähigkeit auswirkt, können Sie hier nachlesen.

So kann die Belastung beider Führungskräfte gleich hoch sein. Doch eine Person packt mit dem eigenen Denkstil eine große Extraportion Stress oben drauf.

"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie so, wie wir sind."

anais nin

Seien Sie ganz ehrlich zu sich selbst und reflektieren Sie, ob das auf Sie zutrifft. Wenn ja, dann ist ein Großteil der Stressbelastungen an Ihrem Arbeitsplatz „hausgemacht“. Sehen Sie das positiv, denn das können Sie selbst beeinflussen und verändern!

Diese 3 Veränderungen des Blickwinkels verwandeln Ihren Denkstil

Wenn Sie solche oder ähnliche Gedanken bei sich entdecken, ist das ein Grund umzudenken, Ihren Denkstil zu verändern, um weniger „hausgemachten Stress“ zu produzieren. Warum? Damit Sie wieder zu Ihrer vollen Leistungsfähigkeit zurück finden, weniger Fehler machen, hochwertigere Entscheidungen treffen und sich letztlich mehr Entlastung ermöglichen.

Ein kompetenter Umgang mit Stress ist eine Frage der inneren Haltung. Zu einer konstruktiven Haltung gehört, dass Sie Anforderungen annehmen, sie realistisch und konstruktiv bewerten und von Ihrer Kompetenz – diese zu bewältigen - überzeugt sind.

Devils-Advocate

Blickwinkel 1: Aus Sicht des Teufels  

Um Fehler frühzeitig aufzudecken, verwenden Piloten eine Technik, die sich „Devil’s Advocate“ nennt. Dahinter verbirgt sich eine einfache und hochgradig wirkungsvolle Umkehrung der Denkweise – die Suche nach Widersprüchlichkeiten. Die Frage dazu lautet: Was widerspricht meinem Gedanken?

Ich verdeutliche die Technik an den ersten beiden Gedanken aus dem destruktiven Denkstil:

  • Betrachten Sie die Negativseiten einer Situation häufig zuerst?
  • Verallgemeinern Sie negative Erlebnisse auf andere Bereiche?

In einer Situation, in der Ihnen die negativen Seiten förmlich ins Auge springen, fragen Sie sich: „Was ist die positive Herausforderung daran?“

Und wenn Sie denken, das ist doch genauso, wie in Situation XY, dann stellen Sie sich bewusst die Frage: „Was hebt diese Situation von den anderen ab? Was ist anders?“

Den Blick öffnen

Der Trick liegt in der Öffnung Ihrer Wahrnehmung. Vorher haben Sie diese gezielt auf die negativen Seiten ausgerichtet oder auf die Ähnlichkeiten mit anderen (missglückten) Situationen. Sie haben somit eine Art Tunnelblick geschaffen, der Ihnen nicht erlaubt, Abweichungen überhaupt wahrzunehmen. Mit der bewussten Frage „Was widerspricht meinen Gedanken dazu?“ öffnen Sie sich Ihren Blick und sind in der Lage wesentlich mehr zu entdecken. Plötzlich tun sich neue Informationen auf, die Ihnen Lösungsansätze bieten. 

Wer also seinen Blick öffnet, statt verstellt, gewinnt dadurch enorme Chancen, die Probleme gezielt anzupacken.

realistische-Anspruchsniveau

Blickwinkel 2: Aus Sicht des Realisten 

Was erwarten Sie eigentlich von sich selbst? Bezogen auf Ihre Leistungen auf der Arbeit. Überprüfen Sie bewusst, welchen Anspruch Sie in verschiedenen Situationen an sich selbst hegen:

  • Als vertraulicher Ansprechpartner für Sorgen und Probleme
  • Als anpackender Problemlöser
  • Als authentische Führungskraft
  • Als Hauptverantwortlicher für Ihren Bereich

In den Medien wird uns folgende Überzeugung förmlich eingetrichtert: „Du kannst alles erreichen, wenn Du positiv denkst und daran glaubst“ (am besten noch mit einem kraftvollen: „Tschakka – Du schaffst es“). Geprägt von dieser Idealvorstellung, stellen wir häufig zu hohe Ansprüche an uns selbst. Wir erwarten schlichtweg Unmögliches von uns. Die Folge: Ständige Enttäuschung durch Misserfolge.

Die Frage lautet: „Ist Ihre Erwartungshaltung realistisch erreichbar?“

Motivation statt Enttäuschung

Mit einem beherzten „Jein“ antworten all diejenigen, die Ihre Ansprüche nur ab und zu erfüllen und häufig enttäuscht sind, etwas nicht geschafft zu haben. Das wiederum nagt stetig am Selbstbewusstsein und beeinflusst den eignen Stresslevel enorm.

Wenn Sie Ihre Ansprüche jederzeit erreichen, ohne sich anzustrengen, dann wird es schnell langweilig. Sie brauchen Motivation, um sich weiterzuentwickeln und mit Begeisterung Ihrer Tätigkeit nachzugehen.

Mit einem klaren „Ja“ antworten all diejenigen, die Ihre Ansprüche erfüllen können und das Erreichen als Herausforderung erleben. Denn diese Art der Anspruchshaltung motiviert und spornt an.

Lösungsoritniert

Blickwinkel 3: Aus Sicht der Lösungen

Um „hausgemachten“ Stress an den Kragen zu gehen, lohnt es sich die gewohnte Perspektive zu verlassen. Anstatt ausschließlich an das zu denken, was alles schief gelaufen ist, lohnt es sich zu fragen: „Was kann ich daraus lernen? Welches Veränderungspotenzial wurde mir aufgezeigt?“

Negative Erlebnisse brennen sich sofort ins Gehirn ein und sind sehr präsent. Positives wird gern vernachlässigt. Vollziehen Sie diesen Perspektivenwechsel daher ganz bewusst, um sich selbst zu verbessern, zu lernen und sich weiter zu entwickeln.

Übernehmen Sie Verantwortung

Wenn Sie gerne die Verantwortung tragen und oftmals die Fehler/Schuld bei sich suchen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, dann ändern Sie auch hier Ihren Blickwinkel. Übernehmen Sie die Verantwortung für die Lösungssuche.

Überlegen Sie, wie Sie das Kind aus dem Brunnen rausholen können!

Fazit: Schauen Sie genauer hin

Mit diesen 3 Veränderungen Ihres Blickwinkels gelingt es Ihnen, konstruktive Gedankengänge anzuregen. Auch hier gilt: Erwarten Sie nicht zu viel. Es ist alles eine Frage der Gewöhnung. Der bisherige Denkstil lässt sich nicht auf Knopfdruck ausschalten und durch einen anderen ersetzten. Es braucht Zeit, die Sie mit aktiver Übung füllen müssen.

Dazu ist es notwendig, die eigne Komfortzone zu verlassen und sich täglich sehr bewusst diese Fragen zu stellen bzw. Techniken anzugewöhnen. Wer das nach und nach den Alltag integriert Erfolge wahrnimmt, wird es bald automatisieren und dann langfristig verankern.

Und wenn mein Beitrag Sie dazu inspiriert hat, dass Sie Ihren Stress verschärfenden Gedanken an den Kragen wollen, dann schieben Sie das nicht auf die lange Bank. Was spricht dagegen, gleich jetzt damit zu beginnen?

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung!


Hallo - ich bin Carola Lübbenjans

Hallo - ich bin Carola Lübbenjans

Ich bin Diplom Psychologin und bilde seit 10 Jahren  in Bremen Verkehrspiloten darin aus, in kritischen Stresssituationen einen kühlen Kopf zu bewahren.


Dieses Wissen gebe ich an Führungskräfte weiter, damit Sie unter starkem Druck sicher und souverän handeln.


Um schnell, aber fundiert Entscheidungen zu treffen, ohne, dass es zu schwerwiegenden Fehlern kommt.


Führungskräfte-Coach

für gesunde Leistungsstärke unter Druck